Warum Sie (andere) nicht »Warum…?« fragen dürfen

Aus der Lean Managementbewegung stammt der Ansatz mehrfach hintereinandergeschaltete »Warum…?«-Fragen dazu zu verwenden die Ursachen von Prozessfehlern zu identifizieren.

»Wenn man fünfmal warum fragt und jedesmal nach der Antwort sucht, hat man gute Chancen, die wahre Ursache des Problems aufzudecken, die oft hinter offensichtlicheren Symptomen versteckt ist.«

Taiichi Ohno, Das Toyota Produktionssystem, Seite 51f

Es handelt sich dabei um die 5-Why Methode vom Toyota-Begründer Sakichi Toyoda (*1867; †1930). Sie ist durch die die Verbreitung der Kernelemente des Toyota Produktionssystem beliebter geworden.

Die Annahme hinter der 5 Whys-Methode ist, dass im Allgemeinen fünf Fragerunden ausreichen, um die Ursache eines Problems aufzudecken.

Je nach Problem können es auch vier oder sechs Fragen sein.

An und für sich mag die Frage nach dem Warum? bei der technischen Fehlersuche, bei der Optimierung von Prozessen und Lösen von komplizierten Problemen sehr nützlich sein. Anders kann das in komplexen Feldern wie im zwischenmenschlichen Bereich sein. Dort erzielt man damit bewusst oder unbewusst unterschiedliche Wirkungen. Stress und Rechtfertigungen können entstehen.

Die Wirkung von »Warum…?«-Fragen im Bezug auf komplexe und komplizierte Systeme

Besonders in kollegialen Gesprächen, Meetings oder Retrospektiven können solche negative emotionale Zustände hervorgerufen werden und somit das Entstehen von lösungsorientierten Diskussionsräumen verhindern.

Eine der bekanntesten »Warum…?«-Fragen ist vermutlich:

»Warum hast du das gemacht?«Im Grunde spielt es keine große Rolle welche genaue Fragestellung dahinter steht. »Warum… X?« löst üblicherweise ähnliche Reaktionen hervor. Beobachten Sie was diese Fragen bei Ihnen bewirkt:

»Warum lesen Sie diesen Artikel?«
»Warum lesen Sie noch nicht das neu erschienene Buch „Die Selbstorganisation“?«
»Warum haben Sie es dieses Jahr noch nicht geschafft mindestens drei weitere Bücher zu lesen?«

Wie ging es Ihnen mit diesen Fragen?

»Haben Sie angesetzt, diese Fragen gedanklich mit »Weil…« zu beantworten? »Warum… weil…« beinhaltet, dass Sie im Sinne der Kausalität denken, im Sinne von Ursache und Wirkung.

War Ihnen dabei unbehaglich? Das ist so, weil die Ursache-Wirkungs-Beziehung Schuld(gefühle) erzeugt und Sie, wenn jemand Sie beschuldigt, gezwungen sind, sich zu verteidigen. Dadurch entstehen verhältnismäßig negative Zustände, die zu defensiven Körperhaltungen führen.

Beispielsweise könnte es sein, dass Sie versuchen die Beschuldigung durch Sätze wie »Gib mir nicht die Schuld. Du bist selbst Schuld!« an denjenigen, der Sie beschuldigt zurückzugeben. Derartige negative Verhaltensweisen beeinflussen Ihr allgemeines Wohlbefinden, und sie können sich sogar in Form von Stress artikulieren.«

»Frag nicht warum …«, Dennis K. Chong und Jennifer K. Smith-Chong, Seite 15f

»Warum?«-Fragen können also in die Enge führen und stressgeladene Situationen verursachen. Dieser Umstand verhindert gleichzeitig die Informationsgewinnung die zum Lösen von Problemen oder Erreichen von Zielen erforderlich ist.

Nach jeder Antwort auf eine »Warum?«-Frage können Sie praktisch eine weitere Frage anschließen. Damit landen Sie tiefer auf der persönlichen Ebene und hinterfragen indirekt Glaubenssätze, Werte und Einstellungen – was typischerweise noch mehr negativen Stress, Frustration oder Rechtfertigungsdruck auslöst.

»Die Frage nach dem »Warum?« führt typischerweise zur Rechtfertigung.«

Was bei Maschinen oder IT-Systemen funktioniert, kann also bei Menschen anders wirken und so führt die Frage nach dem »Warum…?« näher auf die persönliche Ebene statt zum Ursprung eines Problems. Die Antwort liefert lediglich Annahmen oder Gründe die der Befragte hat. Das macht keine Aussage über die wirklichen Ursachen. Es bringt nur was derjenige dazu glaubt. Die Dilts-Pyramide von Robert Dilts verdeutlicht die psychologischen Hintergründe.

Lesen Sie mehr dazu im neuen Buch „Die Selbstorganisation„. Dort finden Sie neben weiteren Erläuterungen und alternative Frageformen den „Schuldrahmen“ der besonders durch die „Warum“-Frage ausgelöst wird.

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