„Bei uns gibt es keine Sicherheit“

Ein Artikel über die zentrale Bedeutung von Sicherheit in Change- und Transformationsprozessen

Mir fällt dazu eine Geschichte aus einem großen Changeprozess ein, den kürzlich ein Agile Coach in einem Online-Forum geschildet hat:

Die Geschäftsführerin hatte morgens ganz spontan zu einem Abteilungsmeeting eingeladen. Natürlich hat sich jeder bereits im Vorfeld seine Gedanken gemacht.

Die Geschäftsführerin steht vorn, 150 Männer und Frauen sind spontan gekommen. Totenstille. Sie wirkt besorgt und beginnt nach einer kurzen Weile ihre Rede einzuleiten. Der Blick nach unten gesenkt, die Mimik kühl. langsame Worte, viele Redepausen.

In mir bewegt sich ein Gefühl von „Vorsicht“ und „Unstimmigkeit“ – ihr Auftritt wirkt fast wie gespielt.

Sie spricht über #Digitalisierung, neue #Prozesse, #Wandel und #Transformation …. und hält dazu nicht lange hin.

Es geht um die Schließung einer Abteilung.

– Schock –

20 Leute müssen das Unternehmen in 2 Wochen verlassen. Der Schock breitet sich weiter aus. Keiner ist in der Lage zu sprechen.

„Wir müssen das jetzt nicht unnötig weiter in die Länge ziehen.“, sagt sie: „Wer Fragen hat, kann sich gerne auch im Nachgang an mich oder die Personalabteilung wenden. Sie verweist auf eine Frau in der ersten Reihe.“

Ein Kollege aus dem Betriebsrat meldet sich:
„Das ist eine verständliche und schwierige Situation, es müssen auch mal schwere unternehmerische Entscheidungen getroffen werden, doch natürlich fragt sich jetzt jeder wann er der nächste ist.“ – ich zucke und denke noch einen Moment über die Qualität dieser Frage nach. Was macht diese Frage mit mir? Was macht diese Frage mit anderen? Angst oder Liebe?

Der Blick der Geschäftsführerin wird plötzlich sehr klar, fokussiert – gespielte Traurigkeit entweicht: „Es gibt keine Sicherheit. Ich kann niemanden eine Job-Sicherheit geben.“

„Es gibt keine Sicherheit.“ – wow.

– Das wars. – Das war alles.
Kein „Ich werde mein Bestes geben möglichst viel Sicherheit zu schaffen.“, kein: „Ich weiß wie sehr sich alle jetzt weitere Gedanken machen.“, kein „Ich werde viel mit euch gemeinsam tun, damit wir entsprechende Maßnahmen vermeiden können.“ – nichts, nada.

Ich bin systemischer #Coach, also macht sich in mir ein Unmut breit. Ich denke an Angst, Hilflosigkeit, Schock und Ohnmacht. Aspekte die der Großteil jetzt sicher erleben wird und gleichzeitig spüre ich ähnliche Gefühle natürlich bei mir. Doch weiter gedacht: „Mit was ist jetzt zu rechnen?“

Klar, ein Organisationssystem und jeder einzelne bekommt mit einer solchen Aussage den Boden unter den Füßen weggezogen. Absichtlich oder unbeabsichtigt. Wer weiß?

Es wird in Bewegung geraten, wie ein Baby-Mobilé in dem man nicht nur einen Teil anstoßt, nein, sondern die Verbindungslinien rausreißt.

Manche Menschen reagieren in solchen Situationen mit folgenden Aspekten:

  • Schock
  • Angst
  • Verletzung
  • Befürchtung vor Kontrollverlust
  • Bindungsverlust
  • Scham
  • Schuld
  • Tiefem Schmerz

Das sind tiefe Gefühl die wirklich krasse Systemdynamiken in Gang setzen können. Daraus kann Destruktivität resuliteren die tatsächlich außer Kontrolle gerät.

Das wirkt sich natürlich nicht nur auf die Leistung- und Arbeitsleistung, auf die Wirtschaftlichkeit, die Mitarbeitermotivation sondern auch darauf aus wie das Unternehmen wahrgenommen wird – innen und außen. Ob es für Bewerber noch interessant ist, ob Spitzen-Leute noch da bleiben wollen und letzlich natürlich auch welchen Umgang die bestehenden Mitarbeiter finden.

Angst oder Liebe? Was bewegt das eine und was macht das andere?

Natürlich sehe ich nun auch die Gefahr von Mobbing, Bossing und Co.

Also stelle ich mir die Frage:

  • Wo kann ich jetzt und in den nächsten Tagen möglichst ganz ganz viel Sicherheit finden?
  • Worauf kann ich mich berufen?
  • Was weiß ich schon? Was kann ich in Erfahrung bringen?
  • Wie sicher ist mein Job?
  • Wie kann ich anderen Sicherheit geben?
  • Auf was kann ich mich zurückziehen?
  • Wie kann ich durch meine Tätigkeit und meinen Einfluss mehr Sicherheit schaffen?
  • Wo kann mehr und mehr Sicherheit gefunden werden?

Im Laufe der nächsten Tage kommt es zu einigen Krankmeldungen.

Die Gespräche im Büro sind geprägt von Horrorszenarien und viele scheinen ihre persönlichen Sorgen nicht mal selbst wahrzunehmen. Es geht nicht mehr viel um die zentrale Aufgabe des Unternehmens und der Abteilung, sondern darum in wie sehr es die Menschen schaffen einen Umgang mit ihrer Angst zu finden. Damit allein gelassen, breiten sich die dysfunktionalen Muster meistens weiter aus.

Aufgrund der vielen Krankmeldungen suchte die Geschäftsführerin mit mir das Gespräch, wir sprachen miteinander und fanden relativ einfach Maßnahmen zur Stabilisierung des Systems.

Natürlich konnten wir die Ängste einzelner nicht weg-zaubern. Wir konnten aber einen konstruktiven Umgang finden, die Lage beruhigen und dafür sorgen, dass sich das soziale System wieder stabilisiert und eine sehr destruktive, dysfunktionale Situation wandeln.

Transformationsprozesse positiv wandeln: sie konstruktiv und sicher gestalten – meine Fähigkeit

Was war das Problem? Die Kommunikation und der Start in dieser Transformation war sicherlich nicht optimal und endete schließlich eher in einer Löschaktion.

Daher möchte ich Sie einladen, falls Sie qualitative Begleitung in solchen Transformationsprozessen haben möchten um sie ruhig, stabil, menschlich, sozial und wirtschaftlich gestalten wollen, kontaktieren Sie mich.

Sie können mich gerne auch kontaktieren, falls Sie als Führungskraft, Product Owner, Agile Coach oder Scrum Master in einer solchen Situation nicht weiter wissen, Klarheit über die Situation brauchen und Handlungsoptionen finden wollen:

Kontaktieren Sie mich